Tag 6: Die Ruhe des Mittellandkanals

Heute haben wir uns einen späteren Start gegönnt um 10 Uhr, wohlwissend, dass wir keine Schleuse nehmen werden. Wir legen ruhig und entspannt ab und begeben uns weiter auf Bergfahrt. Wenige Schiffe begegnen uns, der Kanal ist gesäumt mit Laubbäumen in den schönsten Herbstfarben. Nach 4 Stunden legen wir eine kleine Pause ein für unsere 4-beinigen Crew-Mitglieder.
Das ist ganz gut so, denn vor uns ist ein Binnenschiff unterwegs , welches nur knapp langsamer läuft als Hans, ein Überholmanöver wollen wir vermeiden. Wir sind zufrieden mit unseren An-und Ablegemanövern, langsam läuft es richtig gut!
Was macht es anspruchsvoll unseren 80t schweren Hans zu manövrieren?

Zur Erklärung die Funktion seines Reintje Getriebes aus den 50er Jahren: Hans wird mit Leerlaufdrehzahl gestartet, bei wenig Strömung bringt ihn das schon locker sehr schnell auf 4,5-5 Knoten Fahrt, sobald man denn Vorwärtsgang einlegt. Er ist ja nun mal ein Schlepper und musste auch was „reißen“ in seiner aktiven Zeit, Um die Geschwindigkeit zu regulieren, kann die Drehzahl mit einer Kurbel erhöht werden und wieder runter gefahren werden bis Leerlaufdrehzahl. Wenn die Geschwindigkeit reduziert werden soll, nimmt man den Gang raus. Bevor man den Rückwärtsgang einlegt, muss man 10 Sekunden warten. Legt man den Gang dann ein, egal ob vorwärts oder rückwärts dauert es 15-20 Sekunden bis der Motor das umsetzt. Die Erfindung der Langsamkeit. Da bleiben Momente nicht aus, in denen man die Luft anhält und hofft, dass man es richtig eingeschätzt hat, wenn man eine Keilmauer, Spuntwand , ein Schleusentor oder sogar ein anderes Schiff vor sich hat. Bisher ist es immer gut gegangen.
Heute genießen wir einfach die Ruhe des Kanals und erreichen planmäßig unsere Liegestelle für Kleinfahrzeuge in der Nähe von Misburg
bei Kanal-Kilometer 100 vor Sonnenuntergang.

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